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Rote Liste und kommentiertes Verzeichnis der Brutvogelarten Baden-Württembergs

Rote Liste und kommentiertes Verzeichnis der Brutvogelarten Baden-Württembergs

Volltext

Beschreibung

Die erste Fassung der Roten Liste der Brutvögel Baden-Württembergs wurde mit Stand 31.12.1973 bearbeitet und 1974 veröffentlicht (Berthold, Ertel & Hölzinger 1974, 1975). Sie erschien damit bald nach der ersten Roten Liste der gefährdeten Brutvogelarten in Deutschland (Deutsche Sektion des Internationalen Rates für Vogelschutz 1971). Jene war gleichzeitig die erste Rote Liste in Deutschland und hatte Vorbildfunktion für die weitere Entwicklung Roter Listen für gefährdete Tier- und Pflanzenarten.

In Baden-Württemberg sind in dem 30-jährigen Zeitraum einschließlich der vorliegenden insgesamt fünf Fassungen der Roten Liste der gefährdeten Vogelarten erschienen, die jeweils auf den neuesten Stand der Erforschung der Vogelwelt Baden-Württembergs gebracht wurden. Die einzelnen Fassungen der Roten Liste sind 1973 (1. Fassung, Berthold, Ertel & Hölzinger 1974, 1975), 1977 (2. Fassung, Berthold, Ertel, Hölzinger, Kalchreuter & Ruge 1977), 1981 (3. Fassung, Hölzinger, Berthold, Kroymann & Ruge 1981), 1996 (4. Fassung, Hölzinger, Berthold, König & Mahler 1996) und 2007 (5., vorliegende Fassung) herausgegeben worden. In diesem über 30-jährigen Zeitraum wurden die Kriterien für die Roten Listen entsprechend dem Fortschritt der ornithologischen Forschung zunehmend mehr auf quantitative Grundlagen gestellt. Die Roten Listen waren und sind das Ergebnis systematischer und programmatisch orientierter Bestandsaufnahmen der Vogelwelt abseits emotionaler und naturschutzpolitischer Beurteilung.

  • Die 5. Fassung der Roten Liste der gefährdeten Brutvogelarten Baden-Württembergs ist neu konzipiert worden. Für die Ermittlung der aktuellen Bestandstrends, die maßgebend für die Erstellung der Roten Liste sind, wird ein 25-jähriger Zeitraum herangezogen. Für die Neubearbeitung der Roten Liste der gefährdeten Vogelarten Baden -Württembergs wurde der Zeitraum 1980 bis 2004 zugrunde gelegt. In Zukunft soll dieser Zeitraum von 25 Jahren auf Länder- und Bundesebene synchronisiert werden. Er ist dann auch für Baden-Württemberg maßgebend.
  • Die Definitionen der Kriterien sind neu gefasst worden. Sie richten sich grundsätzlich nach dem aktuellen Stand und den allgemeingültigen Vorgaben für die Rote Liste der gefährdeten Tiere in Deutschland (Binot et al. 1998).
  • Die Kriterien basieren auf den Vorgaben der IUCN Species Survival Commission (1994). Sie sind für die Brutvögel in Deutschland (Bauer et al. 2002) und in Baden-Württemberg weiter präzisiert und ergänzt worden.

Dabei wurde insbesondere versucht, die allgemeinen Definitionen der Gefährdungskategorien durch quantitative Kriteriensysteme zu ersetzen und damit die Objektivität und Nachvollziehbarkeit zu steigern.

Die Ziele der Roten Liste haben sich allerdings nicht grundlegend geändert. Die Rote Liste verfolgt im Wesentlichen zwei Ziele (Nowak 1978, Hölzinger, Berthold, König & Mahler 1996):

  • Sie fasst in knapper Form die Bestandsveränderungen von Populationen einzelner Arten auf der Basis langjähriger wissenschaftlicher Untersuchungen zusammen, wobei besonders die negativen Einflüsse, die zur Gefährdung von Vogelpopulationen führten, berücksichtigt werden.
  • Sie stellt darüber hinaus ein naturschutzpolitisches Instrument für die Naturschutzarbeit dar.
    Mit ihr soll die Naturschutzarbeit auf die Kernpunkte gerichtet werden, um das Ziel des Artenschutzes erreichen zu können, die Artenvielfalt zu erhalten oder wieder herzustellen.

Die Rote Liste dient somit speziell der Information der Öffentlichkeit, der Behörden und der internationalen Gremien über den aktuellen Stand der Gefährdung

  • als Grundlage für die ökologische Begründung der modernen Schwerpunkte des angewandten Naturschutzes;
  • als Ansatz für die Aufstellung von Artenschutzprogrammen sowie von spezifischen praktischen Hilfsprogrammen;
  • als Entscheidungshilfe für alle Körperschaften und Institutionen, die Eingriffe in die Landschaft planen, beurteilen und durchführen (Land- und Forstwirtschaft, Pflanzenschutz, Gemeinden, Behörden u. a.);
  • zur Information all derer, die Tierbestände wirtschaftlich nutzen und für deren Bewirtschaftung und Hege verantwortlich sind (Fischer, Jäger u. a.);
  • als Orientierungs- und Entscheidungshilfe für Behörden zur Ausweisung weiterer Schutzgebiete und zur Optimierung der Schutzmaßnahmen;
  • als Orientierungshilfe für den Gesetzgeber;
  • als Entscheidungshilfe für Gerichte und Justizbehörden bei Naturschutz-, Fischerei- und Jagdvergehen sowie ähnlichen Delikten;
  • als Aufforderung an Zoologen und Botaniker, sich intensiver mit dem Artenschutz zu befassen;
  • als Grundlage für die Fortschreibung der Roten Liste.

Die Roten Listen haben inzwischen manches bewirkt:

  • intensivierte und erweiterte Forschung und Bestandsaufnahmen,
  • Entwicklung und Durchführung von Maßnahmen im Artenschutz,
  • präzisere Eingriffs- und Landschaftsplanung,
  • mehr Schutzgebiete,
  • weitere Regelungen im internationalen und nationalen Naturschutzrecht,
  • Schärfung des öffentlichen Bewusstseins für die Gefährdung und Hilfsbedürftigkeit der Natur.

Die Roten Listen sind heute nicht mehr wegzudenken z. B.

  • in Verfahren der naturschutzrechtlichen Eingriffsregelung,
  • bei Schutzgebietsausweisungen oder
  • bei der Planung von Arten- und Biotopschutzprogrammen.

Kürzer sind die Roten Listen national und international allerdings nicht geworden, ganz im Gegenteil. Dies gilt für fast alle Tier- und Pflanzenordnungen. Im Besonderen trifft dies auch für die Rote Liste der gefährdeten Brutvogelarten Baden-Württembergs zu. Eine Verringerung der Gefährdung wild lebender Vogelarten, und ganz allgemein wild lebender Pflanzen- und Tierarten, ist nur von einer schonenderen Nutzung der Umwelt zu erwarten, die bislang nicht verwirklicht ist.

Metadaten

 
TitelRote Liste und kommentiertes Verzeichnis der Brutvogelarten Baden-Württembergs 
Untertitel5. Fassung 
HerausgeberLandesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg (LUBW) 
RedaktionLandesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg (LUBW), Referat 24 - Landschaftsplanung, Fachdienst Naturschutz 
Version5. Fassung 
Stand 2004 
Seitenzahl172 
ReiheNaturschutz-Praxis. Artenschutz 
Band-Nr.11 
ISSN1437-0182 

 

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