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Kennzeichen gesunder Vögel

Einen gesunden Vogel erkennt man daran, daß er eine natürliche Scheu hat , und nur in sicherem Abstand vom Menschen sein normales Verhalten zeigt. Er nimmt lebhaft Anteil an seiner Umwelt, die ausgewachsenen Vögel spielen entsprechend ihrem Geschlecht die ihnen zugedachten Rollen im Revier- und Balz verhalten. Ihr Gefieder ist glatt und gepflegt, die Mauser beginnt meist erst nach dem Ende der Brutzeit und die Augen glänzen lebhaft. Der Schnabel ist beim ruhigen Sitzen stets geschlossen, der Atem geht regelmäßig, und der von gesunden Vögeln abgegebene Kot ist wie eine graubraune Paste, mit einem weißen Häutchen aus Harnsäure und Schleim überzogen.

Die jungen Tannenmeisen (Parus ater) sind sicher an den hellen Nackenflecken zu erkennen.

Die gesunden Jungen schlüpfen in den Nistkästen in kurzen Abständen aus den Eiern und müssen von den Altvögeln so gefüttert werden, daß ihr Kropf und Magen stets gefüllt sind. Dabei kommen oftmals die Nesthäkchen, die zuletzt geschlüpften, zu kurz, vor allem, wenn bei schlechtem Wetter die Nahrung einmal knapp werden sollte. Sie werden dann nicht weiter gefüttert und am Ende der Brutzeit ist es fast normal, daß ein Junges tot im Nest zurückgeblieben ist. Bei günstigen Bedingungen hingegen entwickeln sich alle Jungen zügig. Nach dem Öffnen der Lidspalte haben sie glänzende Augen, eine kräftige Brustmuskulatur. Sie betteln nach Futter, sobald ein Altvogel den Nistkasten anfliegt. Die jungen Meisen geben ihren Kot von Beginn an über den Nestrand ab, von wo er dann von den Altvögeln weggetragen wird. So bleibt das Nest bis zum Ausfliegen sauber. Trauerschnäpper oder Sperlinge geben hingegen nicht soviel auf diese Art der Reinlichkeit. Ihre Nester sind sehr oft bereits vor dem Ausfliegen der Jungen stark verkotet.

In manchen Gebieten ist der Trauerschnäpper (Ficedula hypoleuca) der häufigste Nistkastenbrüter (oben, Jungvogel). Er legt 5 bis 7 Eier in sein Laub. Oder Grasnest (Mitte, Altvogelweibchen). Schieben die Jungen beim Schlüpfen Schalenreste über andere Eier (unten), gelingt es den Geschwistern oft nicht, aus ihrem eigenen Ei zu schlüpfen.

Gesunde Jungvögel drücken sich beim Öffnen des Nistkastens frühzeitig in den hinteren Nestabschnitt. Dann kann man meist mit einem Blick den gesamten Nistkasteninhalt erfassen und feststellen, ob alle Vögel gesund sind und sie nicht an Krankheiten oder Parasiten leiden. Zeichen dafür sind eine starke Abmagerung, ein "spitzes Brustbein", Schäden am Gefieder, blutunterlaufene Hautpartien, verquollene oder zugeklebte Augen, wässriger Kot. Zuweilen liegen auch schon tote Jungvögel im Nest, die durch ihren Verwesungsgeruch oder durch einen starken Fliegenandrang um die Einflugsöffnung schon von weitem auf sich aufmerksam machen. Die toten Jungen oder auch im Nest liegengebliebene oder beschädigte Eier sollten dann bei dieser Gelegenheit entfernt werden, um die restliche Brut keinem weiteren Gesundheitsrisiko auszusetzen.

Kurz vor dem Ausfliegen der Jungvögel sollte man jedoch solche Kontrollen auf alle Fälle unterlassen. Fast flügge Junge könnten schon vorzeitig ihr Nest verlassen. Auch das Zurücksetzen dieser Jungen ins Nest bleibt meist ohne Erfolg. Entweder kümmern sich die Altvögel nur noch um die im Nest verbliebenen oder die bereits ausgeflogenen. Ein Teil der Nachkommenschaft ist damit verloren.

Die jungen Wendehälse (Jynx torquilla) rücken bei Kälteeinbrüchen dicht zusammen und bilden, wie es viele Nestlinge tun, eine Wärmepyramide (a). Mit ungefähr 21 Tagen sind sie dann flügge (b).

Treten Todesfälle gehäuft auf oder hat man den Eindruck, in einem größeren Gebiet beginnt eine Seuche um sich zu greifen, so kann es auch zweckmäßig sein, erkrankte Tiere zu fangen oder tote Tiere aufzunehmen und an ein Tierärztliches Institut zu senden, um die Krankheit oder die Todesursache festzustellen. Kotproben können genauso hilfreich sein. Eine Auswahl dieser Institute ist im Anhang aufgelistet. Dabei ist folgendes zu beachten: Aus Gründen des Tierschutzes dürfen lebende Tiere nur am Wochenanfang versandt werden. Auch sollte man den Empfänger vorher unterrichten. Frisch tote oder getötete Tiere sollten etwa 12 Stunden auskühlen, ehe sie verpackt werden, sonst kommt es zu einer stinkigen Zersetzung des Tierkörpers. Eine sachgerechte Untersuchung ist dann nicht mehr möglich.

Eine gezielte Behandlung von erkrankten Vögeln wäre nach dem Erhalt der Diagnose mit den gleichen Mitteln möglich, die man auch in der gewerbsmäßigen Nutzgeflügelzucht anwendet:

bei Außenparasiten zum Beispiel einpudern mit Insektenpulvern, bei Innenparasiten oder bakteriellen Infektionen Behandlungen mit Wurmmitteln oder Antibiotika.

Sicherlich ist man oft versucht, damit "seinen" Nistkastenbewohnern zu helfen. Aber man sollte sich überlegen, ob es langfristig nicht sinnvoller ist, sich auf eine Sauberhaltung des Nistkastens zu beschränken und statt dessen zu versuchen, den gefiederten Freunden einen vielgestalteten, artenreichen Lebensraum um den Nistkasten herum zu bieten. Hier sind dann die gesamten Parasiten und Krankheitserreger nur noch wenige Arten unter vielen. Sie würden "biologisch kontrollierbar" und hätten damit keine Möglichkeit mehr zu einer Massenvermehrung. Vogel- und Parasitenpopulationen kämen wieder ins Gleichgewicht.

So ist es offensichtlich, daß ein verstärktes Aufhängen und Verbreiten von Nisthilfen, gleichgültig für welche Vogelart, kein Allheilmittel gegen den Verlust an Vogelarten sein kann, allenfalls ein Behelfsmittel, das verantwortungsvoll zu pflegen ist, damit aus dem Bemühen, Vögeln zu helfen, für die Vögel keine Todesfallen entstehen. Diese Maßnahmen müssen aber stets durch einen großzügigen Lebensraumschutz begleitet werden. Die Erfahrungen, wie schwierig es ist, solche grundsätzlichen Bestrebungen, die ja letztendlich nicht nur dem Vogelschutz dienen, in die Tat umzusetzen, wird jeder gemacht haben, der sich zum Beispiel um die Erhaltung eines Altholzes, von Hecken oder eines Streuobstgebietes mühte. Langwieriges Suchen nach tragbaren Kompromissen und häufige Mißerfolge machen den Schutz von Lebensräumen zu einem schwierigen Unterfangen. Gelänge dies jedoch, wäre damit aber auch der Einsatz der künstlichen Nisthilfen überflüssig.

Der Luftröhrenwurm (Syngamus trachea) lebt in der Luftröhre oder dem Lungengewebe vieler Vogelarten und behindert bzw. blockiert dort die Atmung, was direkt bis zum Tode der Wirte führen kann. Der Luftröhrenwurm gehört zu den Fadenwürmern (Nematoden). Das unscheinbare Männchen lebt mit seinem Weibchen in einer Dauerpaarung verbunden. Die mit dem Vogelkot ausgeschiedenen Wurmeier werden in der Regel von Zwischenwirten wie Erdwürmer, Schnecken oder auch Insekten aufgenommen, die dann ihrerseits den Vögeln als Nahrung dienen, diese so auch wieder infizieren können.

 

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