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Vernünftige Nistkastenpflege

Sumpfmeise (Parus palustris) hudert 9-10 Tage.

Die Nistkästen darf man, nachdem man sie angebracht hat, nicht sich selbst überlassen. Würde man nach dem Ende der Brutsaison die alten Nester noch den folgenden Winter über im Kasten lassen, so überwintert man unbeabsichtigt auch Flöhe, Milben, Lausfliegen oder Wanzen, die dann im nächsten Frühjahr die neuen Vogelgäste quälen könnten (siehe oben). Viele Vogelarten wie Meisen oder Trauerschnäpper räumen nämlich die vorgefundenen Nisthöhlen nicht aus, sondern bauen ihr Nest auf das alte. Es ist wirklich erstaunlich zu beobachten, daß sie dabei nichts unternehmen, ihre Nester von den Nidicolen, also den ganzen Lästlingen und Parasiten, zu reinigen. Das gilt ganz besonders für die Insektenfresser unter den Nistkastenbewohnern.

Der Kleiber (Sitta europaea) dichtet sein Nest in unverkennbarer Weise mit Lehm ab, so daß eine Nistkastentür oft nur mit Gewalt geöffnet werden kann (oben). Als Nistmaterial trägt er Rindenstückchen von Kiefern, die Spiegelrinde, ein (Mitte). Schon die jungen Kleiber sind an ihrem spechtartig verlängerten Schnabel deutlich zuerkennen.

Das Verhaltensmuster der Vögel wird wie das aller Lebewesen durch eine ganze Reihe von Gewohnheiten und Instinkthandlungen geprägt. Daher ist es möglich, daß die Vögel Nistgeschäft und Jagd nach Nahrung nicht zueinander in Beziehung bringen können, sondern ein starker Instinkt ihnen befiehlt, sich am und erst recht im Nest möglichst ruhig zu verhalten und nichts darin durcheinander zu bringen. Das geht sogar soweit, daß zum Beispiel manche Sperlingsarten ihre eigenen Jungen verhungern lassen, wenn sie innerhalb des Nistkastens aus der Nesthöhle herausgefallen sind. Sie werden nicht länger als Nestlinge erkannt und nicht weiter gefüttert. Ebenso wird im Nest auch nicht Beute gemacht und folglich werden die Nidicolen nicht als Nahrung angesehen.

Außerdem sind einige der Gliedertiere, die sich in den Nistkästen aufhalten, wohl ungenießbar. Die Bienen sind ziemlich wehrhaft, der üble Geruch der Wanzen stört sicherlich nicht nur uns Menschen, und die haarigen Raupen der Schwammspinner sind auch für viele Vögel nicht gerade ein anziehendes Frühstück.

Baumläufer (Certhia familiaris) bauen ihre Nester aus kleinen Hölzchen (oben). Die Schnäbel der Jungen erreichen erst gegen Ende ihrer Entwicklung ihre charakteristische Länge.

Abgesehen von dem Umstand, daß ein Nistkasten mit vier oder fünf übereinander gebauten Nestern voll und nicht weiter benutzbar ist, gerieten die Nestlinge dabei auch immer näher an das Einflugloch. Hier würden sie damit zunehmend der Gefahr ausgesetzt, daß Beutegreifer wie Marder oder auch Hauskatzen sie mit ihren Pfoten erreichen könnten.

Die Blaumeisen (Parus caeruleus) sind neben den Kohlmeisen, die häufigsten Gäste unserer Nistkästen. Sie kleiden ihre Nisthöhlen mit einem Polster aus feinen Haaren aus. Vom Schlüpfen (oben, Mitte) bis zum Ausfliegen benötigen sie etwa 19 Tage (unten). Ihr besonderes Merkmal ist ein gelbes Hinterhauptsband.

Ende August mit manchmal schon leicht kühlen Nächten und Anfang September gibt es in den Vogelnistkästen keine jungen Vögel mehr. Nur Fledermäuse übernachten hier noch vereinzelt auf der Suche nach einem geeigneten Winterquartier. Siebenschläfer nutzen die Kästen zur Jungenaufzucht, bis sie im Oktober Erdhöhlen für den Winterschlaf aufgesucht haben.

So ist der Spätherbst die günstigste Zeit, die Nistkästen zu kontrollieren, um festzustellen, was alles im Kasten gebrütet hat, wenn man es nicht zum Beispiel im eigenen Garten bereits beobachten konnte. Dann sollte man auch die Kästen reinigen. Hat man keine toten Jungvögel im Nistkasten gefunden und war der Kasten auch nicht offensichtlich stark mit Flöhen oder Zecken verseucht, reicht dazu eine einfache mechanische Reinigung aus. Das alte Nest braucht nur entfernt zu werden. Bei stärkerer Verschmutzung kann man den Kasten mit einer Bürste ausschrubben, nachdem man ihn vorher noch in Wasser eingeweicht hat, am besten mit einer Sodalauge und nicht mit moderneren scharfen Desinfektionsmitteln. Das Aussprühen mit Insektensprays ist in der Regel genauso überflüssig, sind doch unter den Nistkastenbewohnern auch eine ganze Reihe von Nutzungen, die mitbetroffen würden. Die wenigen Forst- oder Obstbaumschädlinge wie der Schwammspinner, der Buchenspringrüssler oder seine Verwandten, die auch im Nistkasten überwintern wollen, spielen nicht die große Rolle. Außerdem würde man damit auch die Fledermäuse vertreiben. Nur bei Brutverlusten durch nachgewiesenen starken Floh- oder Zeckenbefall sollte man den Kasten zum Beispiel mit einer Lötlampe ausbrennen und so das Ungeziefer vernichten.

Viele Vögel, die im Herbst nicht wegziehen, sondern wie Meisen oder Kleiber den Winter bei uns verbringen, nutzen die Nistkästen die ganze Winterzeit über als Übernachtungsplatz. Sperlinge bauen dort Schlafnester. Daher sollte man im Herbst lieber nicht die Türen der Kästen herausnehmen, um diese durch "Ausfrieren" ungezieferfrei zu machen. Zwar könnte man Zecken und Flöhe so bekämpfen, aber es ist sinnvoller, die Nistkästen im Frühjahr noch einmal von den Überwinterungsresten zu säubern. Damit begegnet man auch der großen Gefahr, daß Kokzidiose oder Salmonellen durch eine Schmierinfektion über den Kot am Schlafplatz der Vögel verbreitet werden.

Hält man sich an diese Grundregeln, hat man schon eigentlich alles nötige zur Gesunderhaltung unserer höhlenbrütenden Vögel getan. Feststellen kann man deren Gesundheitszustand zunächst nur durch aufmerksames Beobachten der Brutvögel, wobei die wildlebenden Tiere ja möglichst wenig gestört werden sollten. Erst wenn man auffällige Abweichungen von ihrem normalen Verhalten bemerkt, sollte man sich sicherheitshalber auch während des Brutgeschäftes, einmal die Nistkästen näher, also auch von innen ansehen.

Der dicke Schnabelwust ist typisch für junge Singvögel. Dies sieht man hier besonders gut bei den jungen Kohlmeisen (Parus major).

 

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