Umweltakademien warnen: Deutschland wird immer mehr zum Volk der Natur-Analphabeten
Kinder kennen mehr Handy-Klingeltöne als Vogelstimmen
Die Deutschen lieben zwar Natur, wissen aber über Tiere und Pflanzen und die verschiedenen Landschaften immer weniger Bescheid. „Wir werden allmählich zum Volk der Natur-Analphabeten", dies betonte der neu gewählte Vorsitzende des bundesweiten Arbeitskreises der staatlich getragenen Umweltbildungsstätten (BANU) Claus-Peter Hutter. So würden Kinder heute mehr Handy-Klingeltöne als Vogelstimmen, mehr Automarken als Wildblumen kennen. Die mit Fragen der breiten Umweltbildung in Sachen Naturschutz, Ökologie und nachhaltigen Entwicklung befassten Akademien der Bundesländer sehen darin eine ernsthafte Gefahr für die Zukunftsfähigkeit des Wirtschaftsstandortes Deutschland.
Kinder werden wieder an die Natur herangeführt. Hier eine Gruppe, welche Gegenstände in einem Wald gefunden hat und nun gemeinsam bestimmt.
Foto: Naturschutzzentrum Karlsruhe
Denn nur wer Natur kenne, sei in der Lage, Umwelt zu schützen, und nur eine umweltgebildete Gesellschaft sei in der Lage, die immensen Zukunftsherausforderungen wie den Klimaschutz, umweltverträgliche Energieversorgung, die Erzeugung gesunder Lebensmittel und den Schutz der Biodiversität und somit einen hohen Lebensstandard zu ermöglichen, betont man bei den Umweltakademien. Die Ursache sehen Claus-Peter Hutter– hauptberuflich Leiter der Umweltakademie Baden-Württemberg – und die im BANU zusammen geschlossenen Akademien unter anderem in der Tatsache, dass sich Kinder und Jugendliche immer weniger in freier Natur aufhalten, Eltern nicht mehr wie früher ganz automatisch
Naturwissen weiter vermitteln und gerade mal noch rund 2 % der Arbeitstätigen in naturnahen Berufen, wie etwa in der Land- und Forstwirtschaft tätig sind. „Mangelnder Aufenthalt in freier Natur und Bewegungsarmut einerseits, Fettleibigkeit und zunehmende Aggressivität bei Jugendlichen andererseits sind zwei Seiten derselben Medaille", betont C.-P. Hutter. Es muss ein Alarmzeichen für die Gesellschaft sein, wenn Kinder heute nicht mehr wissen, wie Kartoffeln erzeugt werden, wie sich Hafer und Weizen unterscheiden und meinen, dass Kühe lila sind und Fischstäbchen im Meer schwimmen. „Würde man die PISA-Studie auf den Bereich Naturwissen übertragen, so würden nach den Erfahrungen der Umweltakademien die Ergebnisse noch düsterer aussehen als bei Mathematik und Deutsch".
Einen Ausweg sieht man bei den staatlichen Umweltakademien in einer stärkeren Vermittlung von Naturwissen durch die Kindergärten. Gerade die Phase der frühkindlichen Prägung sei besonders geeignet, den Entscheidungsträgern von Morgen, Achtung vor dem Lebendigen, den respektvollen Umgang mit der Natur und die Selbstkompetenz für gesunde Ernährung und Lebensweise ohne erhobenen Zeigefinger zu vermitteln.
Im Rahmen breiter Umweltbildung will man diese Aspekte stärker in die Multiplikatorenschulung einbringen und so helfen, der Wissenserosion in Sachen Natur entgegen zu wirken. Die staatlich getragenen Umweltbildungsstätten in 12 Bundesländern veranstalten zusammengenommen jährlich mehr als 2.000 Seminare, Workshops, Kongresse und Kolloquien und erreichen damit rund 70.000 Multiplikatoren aus Naturschutzpraxis, Bildung, Landschaftsplanung, Umweltvorsorge und Kommunalpolitik.
Die im bundesweiten Arbeitskreis der staatlich getragenen Umweltbildungsstätten (BANU) zusammengeschlossenen Institutionen
Baden-Württemberg
Akademie für Natur- und Umweltschutz Baden-Württemberg
www.umweltakademie.baden-wuerttemberg.de/
Bayern
Bayerische Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege
www.anl.de/
Brandenburg
Landeslehrstätte für Naturschutz und Landschaftspflege "Oderberge Lebus" im Landesumweltamt Brandenburg
Hessen
Naturschutz-Akademie Hessen
www.nzh-akademie.de/
Mecklenburg-Vorpommern
Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie Mecklenburg-Vorpommern
Landeslehrstätte für Naturschutz
Rheinland-Pfalz
Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz
www.umdenken.de
Niedersachsen
Alfred Toepfer Akademie für Naturschutz
www.nna.de
Nordrhein-Westfalen
Natur- und Umweltschutz-Akademie Nordrhein-Westfalen
www.nua.nrw.de
Sachsen-Anhalt
Umweltinstitut IWU Magdeburg - Außenstelle Halle c/o Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt
Schleswig-Holstein
Akademie für Natur und Umwelt des Landes Schleswig-Holstein
www.umweltakademie-sh.de
Thüringen
Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie
www.tlug-jena.de
Als Gast im BANU
Bundesamt für Naturschutz
Außenstelle Internationale Naturschutzakademie Insel Vilm
Bundesamt für Naturschutz FG II 1.3
www.bfn.de
Behörde für Umwelt und Gesundheit Hamburg
Referat Umweltbildung/FÖJ
Kontakt:
BANU-Geschäftsstelle
c/o Akademie für Natur- und Umweltschutz Baden-Württemberg beim Umweltministerium
Kernerplatz 9, 70182 Stuttgart
Tel.: 0711/126-2807


