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Auswirkungen des Extremhochwassers von 1999 auf die Uferröhrichte des Bodensees

Auswirkungen des Extremhochwassers von 1999 auf die Uferröhrichte des Bodensees

Volltext

Beschreibung

Infolge des Extremhochwassers von 1999 waren starke Vitalitätsverluste an den Uferröhrichten des Bodensees zu beobachten, die eine langfristige Schädigung erwarten ließen. Das vorliegende Monitoring-Projekt hatte zum Ziel, die Auswirkungen des Extremhochwassers auf die Uferröhrichte zu dokumentieren, Co-Faktoren der Schädigung und Stressoren zu identifizieren, welche die Erholung der Bestände beeinflussen könnten.

Die Untersuchung basiert auf der Auswertung von CIR-Luftbildern und Geländeuntersuchungen in 50 Monitoring-Flächen. Für die Luftbildauswertung wurde ein Kartierschlüssel mit 5 Schädigungsgraden definiert, welcher auch die Grundlage für die Auswahl der Monitoring-Flächen bildete. Aus den Luftbildserien von 2002, 2000, 1999 und 1993 wurden die Röhrichtflächen digitalisiert und Flächensummen vergleichend dargestellt. In den Monitoring-Flächen wurden Bestandsstruktur, Halmmorphologie, Rhizommorphologie und Kohlehydratgehalte der Rhizome sowie Aminosäuregehalte der Stängelbasen untersucht.

Die Luftbildauswertungen ergaben einen Verlust von ca. 30 ha (24% der Fläche von 1998) der baden-württembergischen Uferröhrichte. Die verbliebenen Bestände zeigten eine hohe Variabilität in der Halmdichte, der Halmzusammensetzung, der Halmmorphologie und der oberirdischen Biomasse. Ein Co-Faktor, der die Variabilität erklärte, war das Sohlniveau, d.h. mit zunehmender Tiefe bezüglich des Mittelwassers stieg der Schädigungsgrad der Bestände. Als weitere Co-Faktoren wurden der Befall mit dem Schilfkäfer Donacia clavipes und der Uferverbau identifiziert.

Die oberirdische Bestandsstruktur spiegelt sich im Kohlehydrat- der Rhizome und Aminosäuregehalt der Halmbasen wider. Eine Reduktion der Gesamt-Kohlehydrate, der Stärke und der löslichen Zucker mit zunehmendem Schädigungsgrad wurde in den vertikalen und horizontalen Rhizomen festgestellt, zusammen mit einer Veränderung der Aminosäuregehalt in den Halmbasen. In den Primärsprossen extrem geschädigter Bestände wurden signifikant höhere Gesamtgehalte sowie höhere Anteile an ?-Aminobuttersäure und Alanin gefunden. Die Veränderungen der Aminosäure-Zusammensetzung kann als Stressindikator, z.B. für einen infolge Sauerstoffmangels hypoxischen Stoffwechsel in den Schilfbeständen, gesehen werden.

Sowohl die Luftbildauswertung als auch die Geländeuntersuchungen der Monitoring-Flächen ergaben einen Erholungstrend im Laufe des Zeitraums zwischen 2000 und 2002, wobei auch hier eine deutliche Abhängigkeit vom Sohlniveau festgestellt wurde. Während sich selbst extrem geschädigte Bestände auf hohem Sohlniveau sehr schnell wieder regenerieren konnten, starben stark und extrem geschädigte Bestände auf tiefem Sohlniveau vollständig ab.

Auf der Basis von Luftbildauswertung und Geländeuntersuchungen wurde ein mechanistisches Wachstumsmodell für Schilfbestände entwickelt, das die Simulation der Bestandsentwicklung in Abhängigkeit vom Wasserstandsgang ermöglicht. Die Simulation des Extremhochwassers 1999 ergab eine hohe Übereinstimmung mit den Ergebnissen der Luftbildauswertung und zeigt damit die hohe Sensitivität des Modells.

Aus den Ergebnissen des Projektes wurden wertvolle Hinweise für das Ufer- und Röhrichtmanagement am Bodensee gewonnen.

Metadaten

TitelAuswirkungen des Extremhochwassers von 1999 auf die Uferröhrichte des Bodensees 
Stand 2004 
Seitenzahl160 
Förderkennzeichen BWC20011

 

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