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VG Würzburg, 12.08.2015, W 4 S 15.561

TitelVG Würzburg, 12.08.2015, W 4 S 15.561  
Datum25.01.2017 
OrientierungssatzAnordnung zur Begleitung und Dokumentation bodenschutzrechtlicher Sanierungsmaßnahmen durch einen Sachverständigen gem. § 18 BBodSchG 
NormBBodSchG § 4 Abs. 3 Satz 1; BBodSchG § 10 Abs. 1 Satz 1; BBodSchG § 13 Abs. 1; BBodSchG § 13 Abs. 6; BBodSchG § 18;  
Leitsatz1. Eine Anordnung zur Begleitung und Dokumentation bodenschutzrechtlicher Sanierungsmaßnahmen durch einen Sachverständigen gem. § 18 BBodSchG ist auf die bodenschutzrechtliche Generalklausel des § 10 Abs. 1 Satz 1 BBodSchG zu stützen.
2. Zum Erfordernis einer gutachterlichen Begleitung einer Sanierungsmaßnahme.
GerichtVG Würzburg 
EntscheidungsformBeschluss  
Entscheidungsdatum12.08.2015 
AktenzeichenW 4 S 15.561  

Tenor

I. Der Antrag wird abgelehnt.
II. Der Antragsteller hat die Kosten des Verfahrens zu tragen.
III. Der Streitwert wird auf 2.500,- ? festgesetzt.

Tatbestand

Der Antragsteller wendet sich gegen für sofort vollziehbar erklärte bodenschutzrechtliche Anordnungen im Zusammenhang mit der Verpflichtung zu einer Grundwassersanierung.

1.

Auf dem Betriebsgelände des vom Antragsteller geführten Unternehmens (W...straße ..., 63... G...) erfolgte im August 2012 ein Bodenaustausch zur Sanierung einer Verunreinigung durch leichtflüchtige halogenierte Kohlenwasserstoffe (LHKW).

Dem ging ein Bescheid des Landratsamts Aschaffenburg vom 1. September 2011 voraus, mit dem ein im Auftrag des Antragstellers von der Fa. U... GmbH, W..., ausgearbeiteter Sanierungsplan gemäß § 13 Abs. 6 Satz 1 BBodSchG für verbindlich erklärt wurde. Dieser Bescheid enthielt unter anderem folgende Nebenbestimmung:

?2.13 Die Grundwassersanierung ist wieder aufzunehmen und bis auf weiteres fortzuführen. Hierbei ist Folgendes zu beachten:

Für die Ableitung des in der Behandlungsanlage vorbehandelten Grundwassers werden folgende Restkonzentrationen festgelegt:

(?)

Die hydraulische Grundwassersanierung ist kontinuierlich zu betreiben, wobei die beiden Betriebsbrunnen sowie der Ablauf der Behandlungsanlage vor dem Sanierungsbeginn sowie anschließend im zweimonatlichen Rhythmus auf die LCKW-Restkonzentrationen zu untersuchen sind. Die Untersuchungsergebnisse sind zu dokumentieren und vierteljährlich vorzulegen.?

Mit Schreiben vom 5. März 2013 forderte der Landratsamt Aschaffenburg den Antragsteller auf, ein Fachbüro mit der ?Überwachung, Begleitung und Dokumentation? der Grundwassersanierung zu beauftragen, nachdem der Antragsteller die Zusammenarbeit mit dem bisher beigezogenen Sachverständigen gekündigt hatte.

Unter dem 25. März 2013 teilte der Antragsteller mit, dass er nunmehr die Fa. I..., Aschaffenburg, mit der ?Probennahme und Dokumentation? beauftragt habe.

Mit Schreiben vom 30. Dezember 2014 teilte das Wasserwirtschaftsamt Aschaffenburg dem Landratsamt Aschaffenburg mit, dass im Hinblick auf die LHKW-Belastung der beiden Betriebsbrunnen weiterhin eine sanierungsbedürftige Schadstoffbelastung im Grundwasser vorhanden sei, welche eine Fortführung der Sanierungsmaßnahmen erforderlich mache. Eine Grundwassersanierung ohne die Koordination durch ein fachkundiges Büro sei jedoch nicht sinnvoll, praktikabel und zielführend. Es bestehe daher die Notwendigkeit der Betreuung der Sanierungsmaßnahmen durch einen Sachverständigen.

2.

Unter dem 26. Mai 2015 erließ das Landratsamt Aschaffenburg daraufhin einen Bescheid, der u.a. folgende Anordnungen enthält:

?1. Die Grundwassersanierung auf dem Anwesen W...straße ..., 63... G..., hat durch einen Sachverständigen nach § 18 BBodSchG und der Verordnung über Sachverständige und Untersuchungsstellen für den Bodenschutz und die Altlastenbehandlung in Bayern (VSU Boden und Altlasten) zu erfolgen. Der Sachverständige muss die Zulassung bzw. Bestätigung für das Sachgebiet 5 (Sanierung) besitzen.?

2. Der Sachverständige nach § 18 BBodSchG ist dem Landratsamt Aschaffenburg bis zum 26.06.2015 zu benennen. Die Grundwassersanierung ist durch den beauftragten Sachverständigen bis spätestens 03.07.2015 aufzunehmen und ist regelmäßig durch diesen zu überwachen und zu dokumentieren. Die Gutachten sind bis auf weiteres jeweils halbjährlich dem Landratsamt Aschaffenburg vorzulegen.

3. Für den Zeitraum Oktober 2014 bis Mai 2015 sind die Sanierungsmaßnahmen unter Vorlage der Analyseergebnisse dem Landratsamt Aschaffenburg bis 03.08.2015 nachzuweisen.?

Die vorgenannten Anordnungen wurden jeweils für sofort vollziehbar erklärt (Ziffer 4 des Bescheids). Für den Fall der Nichtbefolgung der Anordnungen wurden jeweils Zwangsgelder angedroht (Ziffer 5 des Bescheids).

Zur Begründung wurde ausgeführt: Nach fachlicher Einschätzung des Wasserwirtschaftsamtes Aschaffenburg liege eine sanierungsbedürftige Schadstoffbelastung im Grundwasser vor. Das Wasserwirtschaftsamt habe weiterhin darauf hingewiesen, dass eine fachgerechte Sanierung erfordere, dass diese durch ein Fachbüro koordiniert werde. Die vom Antragsteller veranlasste Beteiligung des Fachbüros I... sei unzureichend. Es genüge nicht, dass das Fachbüro lediglich Proben entnehmen und analysieren lasse. Vielmehr bedürfe es der fachlichen Begleitung der Sanierung und der Dokumentation derselben in einem Halbjahresbericht. Rechtsgrundlage für die Anordnung der Durchführung der Sanierung durch einen Sachverständigen sei § 16 i.V.m. § 15 Abs. 2 Satz 4 BBodSchG. Die Anordnung der sofortigen Vollziehbarkeit sei geboten, weil das öffentliche Interesse an der Durchführung, Überwachung und Dokumentation der Grundwassersanierung durch einen fachkompetenten Sachverständigen die privaten Belange des Antragstellers überwiege. Eine weitere nicht fachgerechte Sanierung während des laufenden Klageverfahrens sei nicht hinnehmbar.

3.

Mit Bescheid vom 29. Juli 2015 änderte das Landratsamt Aschaffenburg Ziffer 1 des Bescheids vom 26. Mai 2015 wie folgt ab:

?Für die Eigenkontrollmaßnahmen im Rahmen der Grundwassersanierung auf dem Anwesen W...straße ..., 63... G..., ist ein Sachverständiger nach § 18 BBodSchG und der Verordnung über Sachverständige und Untersuchungsstellen für den Bodenschutz und die Altlastenbehandlung in Bayern (VSU Boden und Altlasten) zu beauftragen (§ 15 Abs. 2 Satz 5 BBodSchG). Der Sachverständige muss die Zulassung bzw. Bestätigung für das Sachgebiet (Sanierung) besitzen. Der Sachverständige hat die ihm obliegenden Aufgaben (Eigenkontrollmaßnahmen), insbesondere die Begleitung und Überwachung der Grundwassersanierung, die Probenahmen und Analytik, die Sicherstellung der Probenahmen, die Bewertung der Messergebnisse der durchgeführten Untersuchungen, die Beschreibung der entnommenen Wassermengen sowie der zurückgewonnenen Schadstofffrachten, eine Darstellung der Defizite im Sanierungsverlauf bzw. der ?anlagen oder die Unterbreitung von Vorschlägen für die weitere Vorgehensweise der Sanierung und die regelmäßige Vorlage der Berichte im Jahreszeitraum durchzuführen.?

4.

Gegen den Bescheid vom 26. Mai 2015 ließ der Antragsteller am 25. Juni 2015 Klage erheben (W 4 K 15.560), zuletzt gerichtet gegen den Bescheid vom 26. Mai 2015 in der Fassung des Änderungsbescheids vom 29. Juli 2015. Zugleich ließ er beantragen, die aufschiebende Wirkung der Klage wiederherzustellen.

Zur Begründung wurde im Wesentlichen ausgeführt: Der Antragsteller sei falscher Adressat der bodenschutzrechtlichen Anordnungen, da er weder Verursacher der Verunreinigung noch Eigentümer des verunreinigten Grundstücks sei. Unabhängig davon bestehe für die Anordnung, dass Sanierungsmaßnahmen von einem Sachverständigen nach § 18 BBodSchG getroffen werden müssen, keine Rechtsgrundlage. Aus dem angegriffenen Bescheid gehe nicht hervor, warum nunmehr neben der bereits stattfindenden Sanierung mittels beider Betriebsbrunnen die Zuziehung eines Sachverständigen geboten sei. Ohnehin sei unklar, was genau das Landratsamt im Bescheid habe anordnen wollen. Nach dem Wortlaut des Bescheids soll die Sanierung einerseits durch einen Sachverständigen durchgeführt, andererseits aber überwacht werden. § 15 Abs. 2 BBodSchG, genauer § 15 Abs. 2 Satz 5 BBodSchG, regele jedoch nur Eigenkontroll-, nicht jedoch Sanierungsmaßnahmen als solche. Für den Antragsteller sei daher nicht erkennbar, was von ihm eigentlich verlangt werde. Unabhängig davon greife § 15 Abs. 2 Satz 5 BBodSchG jedenfalls deshalb nicht, weil der Antragsteller für die Durchführung der Eigenkontrollmaßnahmen das Fachbüro I... beigezogen habe, so dass der notwendige Sachverstand bereits eingebunden sei.

5.

Der Antragsgegner beantragte, den Antrag abzulehnen.

Zur Begründung wurde im Wesentlichen ausgeführt: Dass die Grundwassersanierung weiterzuführen sei, ergebe sich bereits aus Nebenbestimmung Nr. 2.13 des Bescheids vom 1. September 2011 in Verbindung mit Nr. 4.5 (?Eigenkontrollmaßnahmen?) des Sanierungsplans vom 12. Mai 2011. Der Antragsteller sei darüber hinaus in mehreren Schreiben darauf hingewiesen worden, dass die Fortführung der Grundwassersanierung durch einen Sachverständigen zu begleiten, zu überwachen und zu dokumentieren sei. Dies entspreche auch der fachlichen Einschätzung des Wasserwirtschaftsamtes. Die von der Fa. I..., Aschaffenburg, vorgenommenen Maßnahmen ? Probenahme und Analytik ? seien, auch nach Einschätzung des Wasserwirtschaftsamtes, nicht ausreichend. Die Fachkompetenz der Fa. I... werde nicht in Frage gestellt, die von dieser vorgenommenen Maßnahmen könnten die sachverständige Begleitung, Überwachung und Dokumentation der Sanierung aber nicht ersetzen. Da die Fa. I... mit einer Betreuung der Sanierung im vorgenannten Sinne offenbar nicht beauftragt bzw. hierzu offenbar nicht in der Lage sei, habe das Landratsamt nach pflichtgemäßem Ermessen die Beauftragung eines Sachverständigen nach § 18 BBodSchG angeordnet. Bei der im Bescheid angegebenen Rechtsgrundlage (§ 15 Abs. 2 Satz 4 BBodSchG) handele es sich um ein Schreibversehen, richtige Rechtsgrundlage sei § 15 Abs. 2 Satz 5 BBodSchG. Der Ergänzungsbescheid vom 29. Juli 2015 diene lediglich der weiteren Klarstellung der vom Antragsteller geforderten Maßnahmen.

Die Behördenakte wurde dem Gericht am 10. August 2015 vorgelegt.

6.

Wegen der weiteren Einzelheiten des Sach- und Streitstands wird auf die Gerichts- und Behördenakten Bezug genommen.

Gründe

Der zulässige Antrag hat in der Sache keinen Erfolg.

Im Rahmen des § 80 Abs. 5 VwGO prüft das Gericht, ob die formellen Voraussetzungen für die Anordnung der sofortigen Vollziehbarkeit gegeben sind. Im Übrigen entscheidet das Gericht nach eigenem Ermessen, ob das Aussetzungsinteresse des Antragstellers das öffentliche Vollzugsinteresse überwiegt. Dabei sind die Erfolgsaussichten in der Hauptsache von maßgeblicher Bedeutung.

1.

Die Anordnung der sofortigen Vollziehbarkeit ist formell rechtmäßig.

Das besondere Interesse an der sofortigen Vollziehbarkeit des Verwaltungsakts ist gemäß § 80 Abs. 3 Satz 1 VwGO schriftlich zu begründen. Erforderlich ist grundsätzlich eine auf den konkreten Einzelfall abstellende Darstellung des besonderen öffentlichen Interesses dafür, dass ausnahmsweise die sofortige Vollziehbarkeit notwendig ist und dass hinter dieses erhebliche öffentliche Interesse das Interesse des Betroffenen zurücktreten muss, zunächst von dem von ihm bekämpften Verwaltungsakt nicht betroffen zu werden (Kopp / Schenke, VwGO, 20. Aufl. 2014, § 80 Rn. 85).

Die Begründung des Sofortvollzugs durch den Antragsgegner genügt diesen Anforderungen. Denn es wird dort einzelfallbezogen aufgezeigt, dass ein besonderes öffentliches Interesse an der unverzüglichen sachverständigen Begleitung und Überwachung der Grundwassersanierung bestehe und dabei auch ausgeführt, dass die bisherige Vorlage von Analyseergebnissen durch den Antragsteller nicht den fachlichen Anforderungen genügt habe.

2.

Auch in der Sache liegt kein überwiegendes Aussetzungsinteresse des Antragstellers vor, weil die gegen den Bescheid vom 26. Mai 2015 erhobene Anfechtungsklage voraussichtlich erfolglos bleiben wird. Denn dieser Bescheid ? in der Fassung des Änderungsbescheids vom 29. Juli 2015 - ist nach summarischer Prüfung rechtmäßig und verletzt den Antragsteller nicht in seinen Rechten (vgl. § 113 Abs. 1 Satz 1 VwGO).

2.1. Das Bundesbodenschutzgesetz ist vorliegend anwendbar. Die behördlichen Anordnungsbefugnisse richten sich vorliegend, auch wenn die Behörde hier eine Sanierung des Grundwassers verlangt, nach dem BBodSchG und nicht nach dem Wasserrecht, da das Bodenschutzrecht im Falle von durch schädliche Bodenveränderungen verursachten Gewässerveränderungen gegenüber dem Wasserrecht vorrangig ist (vgl. § 4 Abs. 3 Satz 1 BBodSchG und Sieder / Zeitler, WHG AbwAG, Stand September 2014, § 100 WHG Rn. 52).

Es ist hier auch nicht ernstlich zweifelhaft, dass (weiterhin) eine sanierungsbedürftige Grundwasserverunreinigung vorliegt. Das Wasserwirtschaftsamt Aschaffenburg hat dies in der fachlichen Stellungnahme vom 30. Dezember 2014 ausdrücklich ausgeführt (Bl. 237 d. Behördenakte). Nach der Rechtsprechung des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs haben amtliche Auskünfte und Gutachten des Wasserwirtschaftsamts im Wasserrecht besonderes Gewicht, weil sie auf jahrelanger Bearbeitung eines bestimmten Gebiets und nicht nur auf der Auswertung von Aktenvorgängen im Einzelfall beruhen und deshalb grundsätzlich ein weit größeres Gewicht haben als Expertisen von privaten Fachinstituten (BayVGH, B. v. 02.05.2011 ? 8 ZB 10.2312, Rn. 11; B. v. 31.08.2011 ? 8 ZB 10.1961, Rn. 17; B. v. 17.07.2012 ? 8 ZB 11.1285, Rn. 13, alle juris). Unter Berücksichtigung dessen sind die Ausführungen des Antragstellers viel zu unsubstantiiert, um einen fortbestehenden Sanierungsbedarf in Frage zu stellen. Insbesondere sind die dem Schriftsatz vom 5. August 2015 als Anlage beigefügten Dokumente in diesem Zusammenhang unbehelflich, da sie ganz überwiegend zeitlich vor der Stellungnahme des Wasserwirtschaftsamtes vom 30. Dezember 2014 entstanden sind und das Wasserwirtschaftsamt in Kenntnis der bisherigen Sanierungsmaßnahmen weiterhin auf eine sanierungsbedürftige Grundwasserverunreinigung hingewiesen hat.

2.2. Die bodenschutzrechtlichen Anordnungen in Ziffern 1 bis 3 des streitgegenständlichen Bescheids vom 26. Mai 2015 finden ihre Rechtsgrundlage in § 10 Abs. 1 Satz 1 BBodSchG i.V.m. § 4 Abs. 3 BBodSchG. Keiner Entscheidung bedarf es daher, ob sich die geforderten Maßnahmen, wie vom Landratsamt angenommen, auch auf § 15 Abs. 2 Satz 5 BBodSchG stützen lassen, zumal es fraglich ist, ob es sich bei den Maßnahmen ? zumindest teilweise ? nicht um Eigenkontrollmaßnahmen i.S.d. § 15 Abs. 2 Satz 1 BBodSchG, sondern um Sanierungsmaßnahmen handelt. Im Einzelnen:

Aus dem Bescheid vom 26. Mai 2015 ist der Wille des Landratsamts, dass die Grundwassersanierung durch einen Sachverständigen nach § 18 BBodSchG begleitet, überwacht und dokumentiert wird, hinreichend deutlich erkennbar. Ob es sich bei den getroffenen Anordnungen um Eigenkontrollmaßnahmen, wie etwa den im Gesetz (§ 15 Abs. 2 Satz 1 BBodSchG) beispielhaft genannten Boden- und Wasseruntersuchungen oder der Einrichtung und dem Betrieb von Messstellen handelt, erscheint allerdings zweifelhaft. Es spricht vielmehr einiges dafür, dass es hier um Sanierungsmaßnahmen als solche geht. Denn die getroffenen Anordnungen begleiten die erforderlichen Grundwassersanierungsmaßnahmen unmittelbar und sollen deren Erfolg durch sachverständige Betreuung und Dokumentation sicherstellen und nachweisen. Eigenkontrollmaßnahmen sind hingegen Maßnahmen, die die Behörde von ihrer Überwachungspflicht nach § 15 Abs. 1 BBodSchG entlasten sollen (BeckOK UmweltR, Stand Oktober 2013, § 15 BBodschG Rn. 13). Darum geht es hier jedoch nicht. Vielmehr soll der Erfolg der durch den Antragsteller vorzunehmenden Sanierungsmaßnahmen fachlich abgesichert werden. Dementsprechend wird in der Rechtsprechung davon ausgegangen, dass die Verpflichtung zur Begleitung und Dokumentation bodenschutzrechtlicher Sanierungsmaßnahmen durch ein Fachbüro auf die bodenschutzrechtliche Generalklausel des § 10 Abs. 1 Satz 1 BBodSchG zu stützen ist (vgl. BayVGH, B. v. 15.2.2011 ? 22 ZB 10.321, juris Rn. 2 u. 7; VG Regensburg, U. v. 7.12.2009 ? RO 8 K 09.01987, juris Rn. 13 u. 54). Dem steht auch nicht entgegen, dass das Landratsamt im streitgegenständlichen Bescheid § 15 Abs. 2 Satz 5 BBodSchG als Rechtsgrundlage genannt hat. Denn bei einer fehlerhaften Begründung hat das Verwaltungsgericht stets zu prüfen, ob der Verwaltungsakt mit anderer Begründung aufrechterhalten werden kann (BVerwG, U. v. 27.1.1982 ? 8 C 12.81, BVerwGE 64, 356; Eyermann, VwGO, 14. Aufl. 2014, § 113 Rn. 17). Dies ist hier der Fall, weil die angeordneten Maßnahmen jedenfalls auf § 10 Abs. 1 Satz 1 BBodSchG gestützt werden können. Der Rückgriff auf die bodenschutzrechtliche Generalklausel ist vorliegend auch zulässig. §§ 11-16 BBodSchG sind nur für die dort geregelten einzelnen Sanierungsmaßnahmen abschließend; für die dort nicht geregelten Maßnahmen kann auf die Generalklausel zurückgegriffen werden (vgl. auch die Überschrift des Dritten Teils des BBodSchG: ?Ergänzende Vorschriften?).

2.3. Der Antragsteller ist richtiger Adressat der getroffenen Anordnungen. Soweit er nunmehr ? nach einer bereits Jahre andauernden Sanierung ? vorträgt, er sei weder Verursacher der Verunreinigung noch Eigentümer des betroffenen Grundstücks, ist dies für die Kammer nicht nachvollziehbar. Denn der Antragsteller hat in der Vergangenheit einen Sanierungsplan vorgelegt, der mit an ihn gerichtetem bestandskräftigem Bescheid vom 1. September 2011 für verbindlich erklärt wurde. Über die Sanierungspflicht des Antragstellers ist demnach bestandskräftig entschieden. Es können daher keine Zweifel bestehen, dass der Antragsteller verantwortlich im Sinne des § 4 Abs. 3 BBodSchG ist. Nach summarischer Prüfung spricht vielmehr alles dafür, dass ? wie das Landratsamt ausführt - der Antragsteller zumindest als Rechtsnachfolger der Verursacherin der schädlichen Bodenveränderung Sanierungsverantwortlicher ist.

2.4. Es bestehen auch keine Bedenken gegen die Bestimmtheit der bodenschutzrechtlichen Anordnungen. Auch wenn Ziffer 2 des Bescheids von der Grundwassersanierung ?durch den Sachverständigen? spricht, geht aus dem Bescheid vom 26. Mai 2015 in Verbindung mit dem Ergänzungsbescheid vom 29. Juli 2015 einschließlich der beigefügten Begründungen, auch unter Berücksichtigung des Schriftverkehrs zwischen Antragsteller und Landratsamt, hinreichend klar hervor, dass der Sachverständige die Sanierung fachlich begleiten, überwachen und dokumentieren soll. Insbesondere die Begründung des Bescheids kann bei der Bestimmung des Regelungsgehalts der getroffenen Anordnungen ohne Weiteres herangezogen werden (Kopp / Ramsauer, VwVfG, 15. Aufl. 2014, § 37 Rn. 6). Es liegt hier im Übrigen auf der Hand, dass nicht der zu benennende Sachverständige persönlich zur Durchführung einzelner Dekontaminations- und Sicherungsmaßnahmen verpflichtet werden soll. Denn Bescheidsadressat und Sanierungspflichtiger nach § 4 Abs. 3 Satz 1 BBodSchG ist der Antragsteller und nicht der Sachverständige. Hinzu kommt, dass das Landratsamt in zahlreichen Schreiben gegenüber dem Antragsteller zum Ausdruck gebracht hat, dass die Grundwassersanierung durch einen Sachverständigen zu begleiten, überwachen und dokumentieren ist, und dass das Landratsamt nunmehr mit Änderungsbescheid vom 29. Juli 2015 eine weitere Konkretisierung der geforderten Maßnahmen vorgenommen und dabei die wesentlichen erforderlichen Maßnahmen einzeln aufgelistet hat.

2.5. Die Kammer kann schließlich auch keine Ermessensfehler (§ 114 Satz 1 VwGO) des Landratsamts erkennen. Dies gilt auch unter Berücksichtigung des Umstands, dass die Behörde im streitgegenständlichen Bescheid eine wohl nicht einschlägige Rechtsgrundlage genannt hat. Denn die maßgeblichen Erwägungen, insbesondere das öffentliche Interesse an der Grundwassersanierung unter sachverständiger Begleitung und das private Interesse des Antragstellers, durch die bodenschutzrechtlichen Anordnungen nicht übermäßig belastet zur werden, sind im Bescheid ausreichend gewichtet, Rechtsfehler insofern nicht ersichtlich. Nach summarischer Prüfung ist auch nicht zu beanstanden, dass das Landratsamt trotz des Umstands, dass der Antragsteller zuvor bereits ein Fachbüro (Fa. I...) beigezogen hat, nunmehr die streitgegenständlichen Anordnungen für erforderlich hielt. Denn es ist rechtlich nicht zu beanstanden, dass das Landratsamt eine bloße Probenentnahme und ?analysierung durch ein Fachbüro für nicht ausreichend erachtete und stattdessen eine fachliche Begleitung und Dokumentation der Sanierung durch einen Sachverständigen nach § 18 BBodSchG als geboten ansah, zumal dies auch die fachliche Einschätzung des Wasserwirtschaftsamtes ist. Dabei ist auch zu berücksichtigen, dass ? wie oben ausgeführt - den fachlichen Bewertungen des Wasserwirtschaftsamtes nach ständiger Rechtsprechung des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs besonderes Gewicht zukommt.

3.

Der Antrag war daher mit der Kostenfolge aus § 154 Abs. 1 VwGO abzulehnen.

 

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