11.4 Altdeponie Breite Hille, Bochum-Langendreer
Auf der Altdeponie Breite Hille wurden vorwiegend Abfälle aus der lokalen chemischen Industrie, in Beimengungen auch Hausmüll und Bauschutt verkippt. Die genaue Zusammensetzung bzw. Inhaltsstoffe sind im nachhinein nicht genau anzugeben. Nach Verfüllende wurde die Deponie mit einem Oberboden abgedeckt, dessen mittlere Dicke mit 1,2 m festgestellt wurde.
Die Besonderheit bei der Altdeponie Breite Hille liegt darin, daß der Deponiekörper in einem "Topf" aus undurchlässigen Schichten eingebettet ist. Es ist somit eine natürliche Abdichtung vorhanden, die dazu führt, daß sich im Deponiekörper Stauwasser bildete. Eine Sickerwasserdränage bzw. Stauwasserfassung sind seinerzeit nicht installiert worden. Die Abdeckschicht konnte einen Zutritt von Niederschlagswasser nicht verhindern, so daß sich der Stauwasserspiegel im Laufe der Zeit soweit erhöhte, daß ein Stauwasserübertritt an der tiefsten Stelle des "Topfrandes" erfolgte. Ein Verdacht auf Dioxine führte zu einer Sanierungsuntersuchung. Aufgrund der vorhandenen Kontamination (vorwiegend chlororganische Verbindungen) war eine Sanierung erforderlich.
Ein Oberflächenabdichtungssystem verhindert das Eindringen von Niederschlagswasser in den Deponiekörper und bewirkt daher ein allmähliches Austrocknen der Deponie. Zusätzlich wird das Risiko einer Untergrund- und Grundwasserkontamination durch Abpumpen des Stauwassers vermindert. Eine Folge der Oberflächenabdichtung ist die Notwendigkeit der Gasfassung. Unkontrollierte Gasaustritte und Belastungen der Umwelt und der Anwohner werden dadurch minimiert.
Um eine weitere Erhöhung des Deponiegeländes zu verhindern und die Einpassung in das Landschaftsbild und den Übergang zur direkt angrenzenden Wohnbebauung beizubehalten wurde ein Abdichtungssystem mit geringer Bauhöhe gewählt. Für die Herstellung wurde die vorhandene Abdeckschicht um ca. 80 cm abgetragen. Auf die verbleibende, im Mittel 40 cm dicke Schicht wurden dann die weiteren Schichten, insbesondere die Kunststoffdichtungsbahn aufgebracht (s. Bild 11.8). Die Dichtungsbahn wird am Deponierand bis in 3 m Tiefe in den gewachsenen Untergrund eingebunden.
Bild 11.8: Regelaufbau des Oberflächenabdichtungssystems
Der Deponiekörper wird somit einkapselt. Sechs auf der Deponiefläche (2,3 ha) angeordnete Brunnen dienen einerseits zur Gasfassung in der Tiefe und erlauben andererseits das Absaugen des Stau- bzw. Sickerwassers. Unterhalb der Abdichtung ist eine weitere, durch Entgasungsrohre unterstützte Gasfassung über Dränmatten angeordnet.
Für die Entwässerung der kulturfähigen Oberbodenschicht wurden auf der Kunststoffdichtungsbahn Dränmatten in Kombination mit Entwässerungsrohren verlegt.
Eine Detailkonstruktion zur Ausbildung des umlaufenden Randgrabens zeigt Bild 11.9.
Bild 11.9: Detailkonstruktion des Randgrabens
Um neben dem unmittelbaren Sicherungseffekt auch einen längerfristigen Sanierungserfolg zu initiieren, wurden (auch unter dem Gesichtspunkt des Objektschutzes) im Bereich der naheliegenden Bebauung zusätzliche Belüftungsbrunnen installiert. Über den auf den Deponiekörper einwirkenden Entgasungs-Unterdruck soll gezielt Fremdluft auf der Sohle des Topfes angesaugt werden können, um eine aerobe mikrobiologische Abbautätigkeit herbeiführen zu können.
Als Randbedingungen waren folgende Aspekte zu beachten:
- Minimierung der Bauzeit im Bereich der Wohngelände
- weitgehende Reinigung des Deponiestauwassers
- Automatisierte Entgasungsüberwachung und Gasreinigung
- Ableitung des Oberflächen- und Wurzelbodenwassers über Rückhaltebecken (Biotopfunktion) und Versickerungsbrunnen
- Begrünung unter Beachtung der deponietechnischen Anforderungen an die Wurzeltiefe und der möglichst weitgehenden Aufrechterhaltung der vorhandenen landwirtschaftlichen Nutzung


